Omni Roast – Geschmackliche Vielfalt oder doch nur Trend für faule Kaffeeröster? SCHNEID-KAFFEE klärt auf
Liebe KaffeefreundInnen,
in den letzten Jahren hat sich viel im Kaffeesegment getan und verändert. Die sogenannte „Third Wave Coffee“-Bewegung brachte junge, ambitionierte Röster und Baristas hervor, die die bestehende Kaffeegeschmackswelt neu definieren wollten. Besonders fruchtige und hell geröstete Kaffees wurden immer beliebter.
In diesem Zuge tauchte auch immer häufiger der Begriff Omni Roast Kaffee auf. Der Titel dieses Artikels ist bewusst provokant gewählt – nicht, um anderen Kaffeeröstern auf den Schlips zu treten, sondern um aufzuklären und mehr Sicherheit beim Kaffeekauf zu geben. Vereinfacht beschreibt ein Omni Roast eine Kaffeeröstung, die sich für verschiedene Zubereitungsmethoden eignet – also sowohl für Filterkaffee als auch für Espresso.
Exkurs zum allgemeinen Röstvorgang
Wir bei SCHNEID-KAFFEE rösten traditionell mit der schonenden Langzeitröstung. Dabei werden die Kaffeebohnen bei maximal 220 °C zwischen 12 und 18 Minuten im Trommelröster geröstet. Die Röstzeit variiert je nachdem, ob wir einen Filterkaffee oder Espresso rösten.
Dem gegenüber steht die Schnell- bzw. Heißluftröstung, die vor allem von großen Kaffeeproduzenten eingesetzt wird. Hier wird bei 400–800 °C zwischen zwei und sieben Minuten geröstet.
Grundsätzlich gilt: Kaffeebohnen für Filterkaffee werden kürzer geröstet als Bohnen für Espresso. Espresso benötigt eine höhere Löslichkeit, damit der Geschmack ausgewogen in der Tasse landet. Diese wird durch eine längere Röstzeit erreicht – gleichzeitig werden unerwünschte Säuren reduziert und gewünschte Röstaromen betont.
Temperatur und Dauer der Röstung bestimmen somit maßgeblich das Geschmacksprofil einer Bohne. Die Aufgabe des Rösters ist es, die optimalen Parameter zu finden, um die gewünschten Aromen herauszuarbeiten. Dieses Zusammenspiel nennt man Röstprofil.
Traditionell unterscheidet man drei Röstgrade: helle, mittlere und dunkle Röstung. Helle Röstungen betonen die Fruchtsäure, mittlere Röstungen sind ausgewogen, dunkle Röstungen setzen auf Körper und Röstaromen. Welche Röstung passt, hängt stark von Herkunft, Varietät und Anbauhöhe des Kaffees ab.
Wie kommt es zur Omni-Roast-Röstung?
Die Third Wave Coffee Bewegung brachte die Idee auf, dass Espresso auch dann hervorragend schmecken kann, wenn er nicht sehr dunkel geröstet ist.
Die Theorie hinter dem Omni Roast lautet: Hochwertige Rohkaffees und ein präzise abgestimmtes Röstprofil reichen aus, um einen Kaffee für mehrere Zubereitungsmethoden nutzbar zu machen – etwa für Filterkaffee, French Press und Espresso.
Viele Röster setzen hierfür auf einen mittleren Röstgrad. Wir sagen jedoch: Das allein reicht nicht aus. Nicht jede Bohne eignet sich für eine Omni-Röstung. Die Gefahr ist groß, dass der Filter zu röstig oder der Espresso zu sauer wird.
Entscheidend ist die Frage: Welche Eigenschaften bringt die Bohne mit – und welche davon möchte ich hervorheben? Eine Röstung nur zur Kombination mehrerer Zubereitungsarten wird vielen Kaffees nicht gerecht.
Macht eine Omni-Roast-Röstung überhaupt Sinn?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Geschmack ist individuell und stark von der Zubereitung abhängig.
Befürworter des Omni Roasts betonen, dass es Aufgabe des Baristas ist, mit der richtigen Zubereitung das Beste aus dem Kaffee herauszuholen. Das stimmt – denn bei Mahlgrad, Wassertemperatur und Brühzeit lässt sich viel beeinflussen.
Genau deshalb haben wir die Blogreihe „Kaffeezubereitung wie die Profis“ ins Leben gerufen. Hier geben wir praxisnahes Barista-Wissen weiter, damit guter Kaffee auch zu Hause gelingt.
Unser Fazit: Nicht jeder Rohkaffee eignet sich für einen Omni Roast. Hier ist Erfahrung, Feingefühl und ein tiefes Verständnis für den Kaffee nötig.
Warum greifen wir das Thema auf?
Auch bei uns wird das Thema Omni Roast intensiv diskutiert. Bei neuen Rohkaffees stellt sich regelmäßig die Frage, ob sie sich für mehrere Zubereitungen eignen. Vor einigen Monaten führte uns ein Zufall zu unserem ersten offiziellen Omni Roast: dem Orang Utan Coffee Sumatra.
Interview mit unserem Röster Sebastian
Warum habt ihr den Orang Utan für einen Omni Roast ausgewählt?
Das war eher zufällig. Wir hatten eine etwas zu hell geröstete Orang-Utan-Espressoröstung. Als Espresso zeigte sie weniger Röstaromen, dafür kam der Charakter der Filterröstung stärker durch. Unser Junior-Röster Daniel hat ihn anschließend auch als Filterkaffee gebrüht – mit überraschend gutem Ergebnis. So entstand unser Orang Utan Omni Roast.
Was habt ihr an der Röstung verändert?
Wir haben die Röstzeit auf einen mittleren Bereich von etwa 15 Minuten angepasst. Nachdem wir unser bisheriges Konzept losgelassen hatten, konnten wir mit dem neuen Röstprofil deutlich bessere Ergebnisse erzielen.
Gibt es geschmackliche Unterschiede je nach Zubereitung?
Als Espresso zeigt sich ein cremigeres Mundgefühl und ein voller Körper. Die nussigen Aromen bleiben sowohl im Filter als auch im Espresso erhalten. Beim Filter kommt lediglich etwas mehr Süße hinzu. Insgesamt wirkt der Kaffee ausgewogener und runder.
Könnt ihr noch einen weiteren Kaffee als Omni Roast empfehlen?
Der Ruanda Espresso eignet sich ebenfalls sehr gut. Durch die nicht zu dunkle Röstung hat er wenig Bitterstoffe und betont die Fruchtnoten. Auch als Filter, Aeropress oder Cold Brew liefert er bei etwa 88 °C Wassertemperatur sehr schöne Ergebnisse.







