Omni Roast – Geschmackliche Vielfalt, die Sinn macht oder doch nur Trend für faule Kaffeeröster? SCHNEID-KAFFEE klärt auf

Benjamin Schneider –  2024-01-23 08:39:00

Liebe KaffeefreundInnen,

in den letzten Jahren hat sich viel im Kaffeesegment getan und verändert. Die sogenannte „third wave coffee“ Bewegung brachte junge ambitionierte Röster und Barista ins Feld, welche die bestehende Kaffee Geschmackswelt neu definieren wollten. Gerade fruchtige bzw. hell geröstete Kaffees wurden zum Trend und immer beliebter. In diesem Zuge kam auch immer öfter der Begriff Omni Roast Kaffee auf. Zugegeben der Titel dieses Blogartikels ist sehr provokant gewählt und es soll natürlich nicht darum gehen anderen Kaffeeröstern auf den Schlips zu treten. Dennoch wollen wir mit diesem Artikel aufklären und dem Kunden etwas mehr Sicherheit beim Kaffeekauf geben. Also was ist nun ein Omni Roast Kaffee?  Vereinfacht möchte man damit eine Kaffeeröstung beschreiben, welche für verschiedene Zubereitungsmethoden nutzbar ist. Also sowohl für Filterkaffee als auch für Espresso.

 Exkurs zum allgemeinen Röstvorgang

Wir bei SCHNEID-KAFFEE rösten traditionell mit der schonenden Langzeitröstung. Dabei werden die Kaffeebohnen bei max. 220 Grad zwischen 12 und 18 Minuten im Trommelröster geröstet. Die Röstzeit variiert je nachdem ob wir einen Filterkaffee oder Espresso rösten. Dem gegenüber steht die Schnellröstung bzw. Heißluftröstung, welche meistens von den großen Kaffeeproduzenten benutzt wird um Kaffee zu rösten. Hier wird bei 400-800 Grad zwischen zwei und sieben Minuten geröstet.

Herkömmlich betrachtet, werden die Kaffeebohnen für einen Filterkaffee kürzer geröstet als Kaffeebohnen für einen Espresso. Der Grund für die unterschiedliche Röstdauer liegt unter anderem daran, dass die Kaffeebohnen bei der Zubereitung von Espresso eine höhere Löslichkeit vorweisen müssen damit der Geschmack wie gewünscht in der Tasse landet. Dies wird erreicht durch eine längere Röstdauer. Zudem wird verhindert das der Espresso zu sauer schmeckt und die gewohnten und gewollten Röstaromen zum tragen kommen.

Generell kann gesagt werden das Temperatur und Dauer der Röstung über das Geschmacksprofil einer Kaffeebohne entscheiden. Dem Kaffeeröster wird also die Aufgabe zu Teil, festzustellen welche Parameter für welche Kaffeebohnen die besten sind um die gewünschten Aromen und letztlich den leckersten Geschmack aus jeder Bohnensorte rauszuholen. Das Ganze nennt man im Fachjargon dann Röstprofil und ist sozusagen das Rezept für den jeweiligen Kaffee.

Traditionell gibt es drei verschiedenen Röstgrade: helle Röstung, mittlere Röstung und dunkle Röstung. Alle drei erzielen unterschiedliche Geschmacksergebnisse. Die helle Röstung hat eine sehr ausgeprägte Fruchtsäure, die mittlere Röstung hat auch noch eine erkennbare Fruchtsäure ist aber deutlich ausgewogener und die dunkle Röstung setzt auf einen starken Körper und hat kaum noch Fruchtsäure. Dies ist jedoch nur vereinfacht dargestellt. Denn jede Kaffeevarietät bringt je nach Anbaugebiet und -lage eine unterschiedliche Bandbreite an Aromen mit. Hier geht es dann eben darum mittels des Röstprofils herauszufinden welche Parameter es braucht um den besten Geschmack zu bekommen.

Wie kommt es nun zur Omni Roast Röstung?

Die oben bereits erwähnte Third Wave Coffee Bewegung, welche das Wissen über Espressomaschinen, Kaffeemühlen und generell das extrahieren von Kaffees stark weiterentwickelt hat, brachte die Vorstellung ins Spiel, dass Espresso auch gut schmecken kann, wenn er nicht zu dunkel geröstet wird.

Die Theorie hinter dem Omni Roast ist, dass eine gute Qualität der Kaffeebohne und deren perfekte Röstung ausreichend sind damit er sich für verschiedene Zubereitungsmethoden eignet – also Filterkaffee bzw. French Press sowie Espresso.

Viele Kaffeeröster setzten beim Omni Roast auf einen mittleren Röstgrad. Aber ist es wirklich so einfach?

Wir sagen nein und behaupten, dass nicht jede Kaffeebohne mittels einer mittleren Röstung zu einem guten und vor allem leckeren Kaffee wird. Den die Gefahr das bei einem so vereinfachten Vorgehen entweder die Filterkaffee Variante zu viele Röstaromen abbekommt bzw. die Espresso Variante zu sauer ist, ist sehr hoch.

Die Frage ist also, welche Eigenschaften hat eine Kaffeebohne und welche davon möchte ich zeigen. Röste ich nur um zwei Zubereitungsarten zu kombinieren wird es den meisten Kaffeebohnen nicht gerecht. 

Macht eine Omni Rost Röstung überhaupt Sinn?

So pauschal lässt sich das tatsächlich nicht sagen. Den wie bei allem kommt es letztlich stark auf den persönlichen Geschmack drauf an, welcher doch sehr individuell ist.

Die Geschmacksfacetten der Omni Roast Röstung können sich je nach Zubereitungsmethode stark unterscheiden. Verfechter des Omni Roast sagen, dass es die Aufgabe des Baristas bzw. desjenigen der den Kaffee Zubereitet ist, den besten Geschmack mit der gewählten Zubereitungsmethode herauszuholen. Ganz unrecht haben sie damit nicht, da man bei der Zubereitung von Kaffee einiges „falsch“ machen kann und dann nicht zum gewünschten Ergebnis kommt. Die Enttäuschung über den Geschmack kann dann schon mal groß sein, gerade wenn man sich einen hochwertigen teuren Kaffee geleistet hat.

Aus diesem Grund haben wir die Blogreihe „Kaffeezubereitung wie die Profis“ ins Leben gerufen. Hier möchten wir unseren Kunden Barista Wissen an die Hand geben, damit sie sich auch zu Hause einen leckeren Kaffee zubereiten können. Schau gerne auf unserem Blog vorbei, wir erweitern die Reihe regelmäßig.

Gleichzeitig sind wir eine Allround Rösterei und möchten nicht nur Feinschmecker, sondern auch den klassischen Kaffeetrinker mit leckerem, hochwertigen Kaffees beglücken.

Unser Fazit für den Omni Roast:  Auch nicht Profi Baristas sollten den Omni Raost lecker zubereiten können und das birgt seine Herausforderungen. Unserer Meinung nach eignen sich einfach nicht alle bzw. sogar nur die wenigsten Rohkaffees für einen Omni Roast. Hier gilt es für den Röster das nötige Feingefühl für den jeweiligen Kaffee walten zu lassen und dann zu entscheiden was Sinn macht.

Warum greifen wir das Thema überhaut auf?

Auch bei uns ist das Thema Omni Roast heiß Diskutiert. Gerade wenn wir einen neuen Rohkaffee testen kommt immer wieder die Frage auf, eignet er sich auch als Omni Roast? Aber auch unser bisheriges Sortiment ist hier regelmäßig auf dem Prüfstand. Da wir einige Kaffeebohnen sowohl als Filterröstung sowie auch Espressoröstung anbieten. Letztlich hat uns der Zufall vor ein paar Monaten zu unserem ersten offiziellen Omni Roast gebracht. Er kommt tatsächlich aus unserem bisherigen Sortiment – der Orang Utan Coffee Sumatra.

Wieso, Weshalb, Warum, erfährst du in einem kurzen Interview mit unserem Röstmeister Sebastian:

Wir haben jetzt unseren ersten offiziellen Omni Roast Kaffee im Sortiment. Warum haben wir den Orang Utan für einen Omni Roast ausgesucht?

Das war zufällig, da wir eine etwas zu hell geröstete Orang Utan Espressoröstung hatten. Bei unserer Verkostung als Espresso hatte er nicht mehr so viele Röstaromen jedoch kam umso mehr der eigentliche Charakter, den wir von der Filterkaffeeröstung kannten, durch. Versuchsweise hatte unser Junior Röster und Barista Daniel ihn dann auch als Filterkaffee aufgebrüht. Auch mit dieser Zubereitungsmethode überzeugte uns diese Röstung überraschenderweise total. So wurde unser Orang Utan Omni Roast geboren.

Was habt ihr an der Röstung verändert bzw. angepasst?

Wir haben die Röstzeit letztendlich verkürzt auf einen mittleren Bereich von ca. 15 Minuten. Nachdem wir unser bisheriges Konzept zu diesem Rohkaffee losgelassen hatten, konnten wir mit dem weiterentwickelten Röstprofil noch bessere Ergebnisse erzielen.

Unterscheiden sich die Aromen bei den verschiedenen Zubereitungen und wenn ja welche Unterschiede könnt ihr als Profis feststellen?

Beim Espresso hat man ein deutlich cremigeres Mundgefühl als vorher und einen volleren Körper. Von den Aromen ändert sich weitgehend nichts, es bleibt beim Filter als auch beim Espresso der schöne nussige Geschmack. Man merkt lediglich etwas mehr Süße beim Filter. Zusammenfassend kann ich jedoch sagen, dass der Gesamteindruck des Orang Utan Omni Roast als Espresso sowie Filterkaffee runder und ausgewogener geworden ist.

Kannst du noch eine Kaffeebohne aus unserem Sortiment als Omni Roast empfehlen?

Der Ruanda Espresso wird zwar bisher als Espresso geröstet und deklariert, eignet sich aber auch besonders gut als Cold Brew, weil er durch die schonende und nicht zu dunkle Röstung, wenig Bitterstoffe aufweist und die Fruchtnoten mehr im Vordergrund stehen.

Auch die Zubereitung als Filter sowie Aeropresso haben wir getestet und haben beim Aufbrühen mit einer Wassertemperatur von 88°C tolle Ergebnisse erzielt. Somit könnte ich mir den Ruanda auch offiziell gut als Omni vorstellen.


Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.
Loading ...